Du brauchst keinen Drohnenführerschein, wirklich nicht!

Ich möchte Euch mit diesem Artikel helfen besser zu verstehen was geht und was nicht.

Gerade das Thema Drohnenführerschein ist ein sehr heikles.

Als ich zum ersten mal davon gehört habe war ich auch verunsichert und dachte ich muss jetzt irgendwo hin fahren und einen teuren mehrtägigen Kurs besuchen. Da ich seit 2013 beruflich und privat viel mit Drohnen unterwegs bin, habe ich mich von Anfang an auch rechtlich mit dem Thema auseinandergesetzt und konnte miterleben, wie immer mehr Miss-Information im Netz landete.

Bei meiner Online Recherche der Anbieter wurde mir übel. Doch mehr dazu später…

Übersicht des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Drohnen Fake-Halbwissen im Internet: Was ist illegal?

Wer eine Drohne besitzt und damit nicht nur im eigenen Garten fliegen möchte, kennt das leidige Thema: Zahlreiche Verbote, die “neue” Drohnenverordnung und jetzt der Kenntnisnachweis.

Viele wollen mit ihrem Kopter einfach nur schöne Bilder machen und haben keine Ahnung, was erlaubt ist und was nicht. Ich muss ehrlich zugeben, ich achte wenn ich Luftaufnahmen sehe, mittlerweile stark darauf, ob das was ich sehe evtl. illegal ist.

Dabei sehe ich oft, gerade im Fernsehen, Einstellungen, die nicht ohne Sondergenehmigungen möglich sind. Wo kein Kläger, da wohl auch kein Richter…

Die einschlägigen Facebook-Gruppen tun ihr Übriges. Neulinge posten Fotos und werden regelrecht in der Luft zerrissen, es entstehen hitzige Diskussionen in den Kommentaren. Gefährliches Halbwissen paart sich hier mit Neid und einer modernen Form von Besserwissen.

Mein Hintergrund: Warum mein Wissen zum Drohnen-Führerschein für euch relevant ist

(Wer diesen überspringen möchte, hier geht es direkt weiter)

Ich habe meinen ersten Kopter von der Firma Ehang auf der CES in Las Vegas im Januar 2015 gekauft.

Damit habe ich einen Film gedreht und diesen auf Youtube veröffentlicht. Damals noch mit einer GoPro an einem Gimbal und einem selbstgebastelten Kontrollpult, an dem ich mir einen kleinen Bildschirm für FPV angebracht hatte. Den Sender für das System hatte ich mit Kabelbindern und Gaffa Tape am Kopter befestigt. Extremes Gebastel, aber es hat funktioniert.

Der Co-Founder von Ehang hat dieses Video gesehen und mich kontaktiert. Er bot mir einen Job bei Ehang in der Bay Area an. So gerne ich das auch gemacht hätte, war mir es einfach zu riskant mit der Familie in die USA zu ziehen. Damals waren die Luftaufnahmen nur ein Hobby und mein Job als Technischer Direktor bei einer internationalen Designagentur bezahlte die Rechnungen.

Ich sagte ihm, wenn er etwas in Deutschland hat, solle er sich noch mal melden. Das tat er dann auch 2016 und ich wurde Senior Technology Manager bei Ehang Europe. Ich war für den technischen Part des Consumer Produktes Ghostdrone, aber auch für die erste Passagierdrohne der Welt, Ehang 184, verantwortlich.

Aufgrund der Erfahrungen, die ich gesammelt hatte, beschloss ich Anfang 2017 mein Hobby zum Beruf zu machen und habe BavAerials gegründet. Ich hatte mich über die rechtlichen Aspekte ausreichend informiert und hatte in Kombination mit meinen Kenntnissen über die Technologie fundiertes Wissen bzgl. des Fliegens, Filmens und Fotografierens mit Drohnen. Das war natürlich alles vor der neuen Drohnenverordnung.

Fliegen vor der neuen Drohnenverordnung

Ich bin damals einfach überall geflogen. Das wäre heute undenkbar. MIttlerweile kenne ich mich so gut aus, dass ich bereits legal z.B. am Marienplatz in München geflogen bin. Das ist gar nicht so schwierig wenn man weiß, was man wo beantragen muss.

Eine Allgemeinverfügung habe ich sowieso, aber benötigt wird noch eine Drehgenehmigung vom KVR. Nach einer ersten Absage und einer erneuten etwas detaillierteren Schilderung des Vorhabens habe ich die Genehmigung erhalten.

Jetzt musste ich mir diese orangefarbene Pilonen besorgen und habe damit meinen benötigten Start- und Landeplatz mitten in der Fußgängerzone abgesperrt. Eigentlich hätte ich auch ein Dixi-Klo aufstellen können und das ganze wie einen Tatort-Dreh aussehen lassen können.

Schon faszinierend, was da für Leute kommen und was diese kommentieren. Von den üblichen Faszinierten bis hin zu “Spinnst du? Das darf man hier nicht!” Doch, ich darf das!
Ich bin auch gewerblich an unzähligen anderen Orten wie z.B. der Wüste, den Malediven, der größten Baustelle der Stadt und sogar indoor auf Messen geflogen.

Drohenführerschein machen: (un-)seriöse Anbieter und rausgeschmissenes Geld?

Immer häufiger fragen mich Menschen aus dem Bekanntenkreis und befreundete Piloten nach dem Drohnenführerschein. Eine Recherche im Internet zeigte mir auch schnell warum: Eine deutliche Erklärung, was nötig ist und was nicht, findet sich nicht. Stattdessen teure Angebote, die häufig suggerieren, ein Drohnenführerschein sei unabdingbar.
Da suche ich nach Anbietern, die mir so einen Nachweis ausstellen können und lande bei einem IT Administrator mit einer unterirdischen Homepage. Wie kommt er dazu und warum kann gerade er mir etwas beibringen, das ich noch nicht weiß?

Natürlich gibt es auch seriöse Anbieter wie z.B. Kopter-Profi.de, Globe Flight GmbH oder Flying Arms.

Mit der Einweisungsbescheinigung – so der verwaltungstechnisch korrekte Name des Kenntnisnachweises – wird dem Besitzer attestiert, Kenntnis über die Grundlagen der Anwendung und die Navigation von Flugmodellen, die einschlägigen rechtlichen Grundlagen und die örtliche Luftraumordnung zu haben.

Klingt gut und hört sich teuer an. Und genau so ist es. Alle Anbieter lassen sich gut für den Nachweis bezahlen. Hier ein Beispiel:

Nachweis mit Online-Tutorial: 299,- € p.P. inkl. MwSt.
Nachweis mit Online-Tutorial + Präsenzseminar: 599,- € p.P. inkl. MwSt.

Wenn man gerne neue Kopter-Freunde finden möchte und die Zeit dafür hat, macht sowas ja vielleicht sogar Sinn. Im Normalfall, wenn die Drohne nicht über 2 Kilo wiegt, braucht man das aber nicht.

Drohnenführerschein: Es geht auch günstig

Wenn man den Nachweis unbedingt machen möchte, oder vielleicht sogar muss, weil man einen großen Kopter fliegen möchte, gibt es einen Geheimtipp: Der Deutsche Modellflieger Verband.

Hier kostet der Nachweis 25,- Euro für private Piloten. Für gewerbliche Piloten, die mit mehr als 2KG Startmasse fliegen wollen, reicht dieser allerdings nicht aus. Das ganze funktioniert online und innerhalb von einer halben Stunde. Ich habe mich mal durchgeklickt und finde, das ist sehr gut gemacht. Es gibt verschiedene Lektionen, die jeweils mit einem sehr schlüssigen Video erklärt werden. Danach gibt es zu jedem Punkt eine Frage mit mehreren Antwortmöglichkeiten. Am Ende stand bei mir folgendes:

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die Voraussetzungen zum Erhalt des Kenntnisnachweises erfüllt.

Sie können hier nun Ihren Kenntnisnachweis für 26,75 Euro inkl. 7 Prozent MwSt. erwerben.
Die Höhe des zu zahlenden Betrages wird von der Kostenverordnung der Luftfahrtverwaltung vorgegeben.

(Ich muss sagen ich bin schon ein wenig stolz, dass ich bestanden habe.)

Legales Fliegen: Apps, Tipps und Hilfestellungen

Als generelle Info kann ich euch sagen, dass ihr als Privatperson, also wenn ihr nicht gewerblich Aufnahmen als Auftrag erstellt, relativ frei seid.

Drohnen Fliegen als Privatperson

Bis 5 KG Startmasse des Kopters könnt ihr ohne Genehmigung fliegen. Es ist auch keine Allgemeinverfügung notwendig.

Achtet bitte immer auf den Luftraum, in dem ihr fliegen wollt. Hierzu gibt es diverse Apps und Onlinekarten. Ich bevorzuge Flynext oder auch die App von Kopter-Profi.de und informiere mich hier vor jedem Flug in der Planungsphase.

Zusätzlich muss an dem Kopter eine Feuerfeste Plakette mit Name und Anschrift des Besitzers angebracht werden wenn er über eine Kamera verfügt oder mehr als 250 Gramm wiegt.

Eine Haftpflichtversicherung die Flugmodelle einschließt ist ebenfalls nötig. Manche private Haftpflicht hat dies bereits inkludiert. Informiert euch am besten bei euerem Versicherungsmakler.

Drohnen Fliegen als gewerblicher Pilot

Als gewerblicher Pilot muss man etwas mehr beachten.

Generell ist es in jedem Bundesland etwas anders. Bitte informiert euch ausreichend bei dem für euer Bundesland zuständigen Luftamt.

Beispiel Bayern: In Bayern ist das Luftamt sehr kooperativ und hat sich stark für die Möglichkeiten der gewerblichen Piloten eingesetzt.

Eine gute Hilfestellung bietet das Luftamt Bayern mit diesem Pdf. Dort könnte ihr sehr schnell sehen, ob ihr eine Erlaubnis benötigt oder nicht.
Dazu gibt es dann die Einzelerlaubnis (Nachtflug, höher als 100 Meter, etc.) oder auch die Allgemeinverfügung (AE oder auch Aufstiegsgenehmigung genannt)

In Bayern haben wir den Luxus diverser Verbotsausnahmen in der AE. Hierunter fällt das Verbot Menschenansammlungen zu überfliegen, 100 Meter Abstand an Bundesfernstraßen einzuhalten und auch das Verbot Wohngrundstücke zu überfliegen. Es trifft die sog. 1:1 Regel in Kraft. Wenn ich einen Meter hoch fliege, kann ich bis auf einen Meter ran. Möchte ich 10 Meter hoch fliegen, muss ich auch 10 Meter seitlichen Abstand halten.

Informiert euch bitte entsprechend für euer Bundesland.

Die aktuelle Allgemeinverfügung für Bayern hat für unsere drei Piloten 50 Eur gekostet und war nach ein paar Tagen erledigt.

Zusätzlich müsst ihr 24 Stunden vor dem geplanten Flug die zuständige Polizeiinspektion informieren. Hier genügt eine Email und die Polizisten sind meist sehr kooperativ. Das Ganze ist äußerst hilfreich, da immer wieder aufmerksame Mitbürger, wenn Sie etwas von dem Flug mitbekommen, bei der Polizei anrufen und diese dann sofort erklären kann, dass alles in Ordnung ist.

Fazit – Du brauchst wahrscheinlich keinen Drohnenführerschein

Du brauchst unter 2 Kg Startmasse keinen Kenntnisnachweis! Ich rate allerdings jedem, der einen Kopter fliegen möchte, sich mindestens beim DMFV anzumelden und die Lerneinheiten ein mal durch zu machen. Die Informationen sind kompakt und wichtig.

Warum Du Dich dennoch unbedingt mit dem Thema näher auseinander setzen solltest

Einen Kopter zu fliegen ist nicht trivial. Die Fluggeräte sind unglaublich komplex und man bewegt sich im Luftraum. Dafür sollte man wissen was man tut.

Schlecht vorbereitete Flüge sind nicht nur unnötig, weil man unsicher ist und auch keine schönen Aufnahmen bekommt, sie bergen auch die Gefahr von Unfällen. Menschen können sich gestört oder beobachtet fühlen oder sogar erschrecken (z.B. beim Autofahren) und unter den daraus resultierenden schlechten Nachrichten leidet letztlich das Image aller Drohnenpiloten. Nicht jeder ist Drohnen gegenüber positiv eingestellt, und anstatt planlos über Städten und Ortschaften herumzufliegen, sollte sich jeder Drohnenbesitzer seiner Veranwortung bewusst sein und Rücksicht auf andere nehmen.
Einhergehend mit einer immer weiter steigenden Zahl von Koptern ist eine steigende Professionalisierung (auch der Hobbypiloten) unumgänglich.

Es ist wie beim Autofahren auch: Den Führerschein macht man ja nicht, damit man ihn vorweisen kann. Sondern damit man selbst die nötige Sicherheit (ausreichend Fahrstunden und Übung) hat und sich verantwortungsvoll im Straßenverkehr bewegen kann. Unsichere Fahranfänger (oder auch Leute mit Führerschein, die aber jahrelang nicht am Steuer saßen) haben erstens keine Freude am Fahren und sind außerdem eine Gefahr für alle anderen.

Wenn man ein paar Dinge beachtet, kann man allerdings unglaubliche Perspektiven erreichen und diese beeindruckend festhalten. Und genau das ist es ja, was ihr wollt.

Von |2018-05-13T16:11:11+00:00April 30th, 2018|1 Kommentar

Über den Autor:

Als „Early Adopter“ jeglicher neuer Technologien sorgt er bei BavAerials für den Einsatz der innovativsten Technik und überzeugt die Kunden mit unkonventionellen Ideen und Visionen.

Ein Kommentar

  1. Jörk 11. September 2018 um 22:43 Uhr - Antworten

    Super Infos danke

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